Börnichen

 

 

Im Urkundenbuch der Stadt Chemnitz wird Börnichen bereits 1476 erwähnt. Im Jahre 1486 heißt der Ort Bornchen, im Jahre 1510 Bornichen. Was der Name bedeutet, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist er in Zusammenhang mit Born (Wasserstelle) zu bringen. Vielleicht ist der Name auch abgeleitet von bering, d.i. Patron. Möglich, dass der Name auch auf das althochdeutsche bero , d. i. Bär zurück geht. Jedenfalls aber scheint es ebenso wie viele andere Orte unserer Umgebung, eine Rhein-Fränkische Siedlung zu sein. Wir wissen , dass um 1200 die Franken am Rhein in Folge Bedrückung und Raummangel nach dem jetzigen Sachsen auswanderten und hier neue Siedlungsplätze zugewiesen erhielten. Denn am Rhein in der Nähe von Köln gibt es heute noch ein Börnchen, bei Koblenz finden wir ein Bornich.

Den Mittelpunkt des Dorfes bildete das Schloß.

Es bildet mit einem Teil der Wirtschaftsgebäude einen sehr geräumigen Hof. Das Innere enthält eine große Anzahl bequem eingerichteter Zimmer. Bis in die letzten Jahrzehnte hinein enthielt das Schloß  eine reichhaltige, besonders mit französichen und italienischen Werken ausgestattete Bibliothek, ebenso eine schöne Sammlung verschiedenartiger alter und neuer Waffen, besonders aber den großen Ahnensaal, der mit wertvollen Ahnenbildern, von Cranach und Holbein gemalt, versehen war. Heute enthält das Schloß die Abteilung 3/160 des Reichsarbeitsdienstes, die bei der Einwohnerschaft von Dorf und Stadt sich allseitiger Sympathie erfreut.

Etwa 400 Jahre lang haben auf diesem Schlosse die Grafen von Schönberg als Herren gesessen. An anderer Stelle haben wir bereits sämtliche Besitzer Börnichens aus dem Geschlecht Schönberg aufgezählt und Näheres von ihnen berichtet. Der vorletzte der Schönberger war Carl Friedrich Maximilian, der sich in zweiter Ehe mit der in Neapel geborenen Sängerin Karoline  Bonelli vermählte. Als echter Soldat führte er ein strenges Regiment. Seine Dienerschaft brachte er oft durch eine Pistole in schnelle Bewegung.

Er war Rechtsritter des Johanniterordens und Mitglied der Ersten Sächsischen Ständekammer.

Er besaß neben Börnichen noch Hohenlinde, Memmendorf, Wingendorf, Hainichen und Wegefarth. Letzteres verkaufte er im Jahre 1818. Er ist der letzte Schönberg, der in der Familiengruft zu Frankenstein beigesetzt wurde, auch der letzte Schönberg, der männliche Nachkommen hinterließ. Seiner Frau zu Ehren nannte er die Unhöhe im Nordwesten Börnichens „Karolinenhöhe“ und das dort befindliche Beigut den  „Karolinenhof“.

Als 1857 die Erbteilung der gräflichen  Güter erfolgte, erhielt der jüngere Sohn Mar Wingendorf mit Hainichen, der ältere Sohn Udo dagegen Börnichen mit den Vorwerken Hohenlinde und Memmendorf. Graf Udo von Schönberg wurde am 24. Februar 1836, also vor hundert Jahren geboren.

Auf der Erwerbung seines Doktortitels führte ihn eine Reise nach Italien und Nordafrika. Darauf wurde er Gerichtsreferendar in Freiberg, wo er 1871 als Gerichtsassessor die Tochter  des Freiberger Jacobi-Organisten, Namens Ida Marie Tharandt, als Gefährtin seines Lebens heiratete. Später befiehl ihn eine zunehmende Schwerhörigkeit, so dass er 1907 als Amtsgerichtsrat seinen Abschied nahm. Am 18. Februar 1912 wurde er heimgerufen. Auf dem Donatsfriedhofe fand er seine letzte Ruhestätte. Der größte Schmerz seines Lebens war, dass er sein von den Vorfahren übernommenes Gut Börnichen im Jahre 1870 zu verkaufen genötigt war. Somit ging Börnichen, über dessem Portale seit dem 15. Jahrhundert der grün-rote, schönbergische Löwe prangte, der Familie von Schönberg verloren. Graf Udo von Schönbergs Name aber lebt fort in der „Udo-Höhe“, dem höchsten Punkte unserer Umgebung.